Botox gegen Bruxismus

Eine neue Methode zur Behandlung von Bruximus ist die Gabe von Botolinumtoxin (abgekürzt auch: Botox). Sehr vereinfacht gesagt dämpft Botox die beim Zähneknirschen überspannte Gesichtsmuskulatur und kann somit das Knirschen (wissenschaftlich: Bruxismus) über einen Zeitraum von drei bis zu ca. sechs Monaten vermindern. Um ein Beispiel zu nennen: Mit Botox kann man etwa den großen Kaumuskel (Musculus Masseter) sehr gezielt und vor allem präzise entspannen. Das Team der Zahnarztpraxis Bärenklau in München setzt Botox mittlerweile erfolgreich gegen Zähneknirschen ein. Ob eine solche Bruxismus-Therapie anstatt oder zusätzlich zu einer Knirscher-Schiene anzuwenden ist sollte Gegenstand einer gründlichen zuvorigen Untersuchung sein.

Botox gegen Zähneknirschen: der Muskel entspannt

Zum Hintergrund: Botox ist bekannt als Medikament, das die Muskeln entspannt. In der ästhetisch-plastischen Chirurgie wird es an allen quergestreiften Muskeln des Körpers seit vielen Jahren eingesetzt. Im Gesichtsbereich sorgt Botox dank des entspannenden Effekts auf die mimische Muskulatur für weniger Falten. Doch ursprünglich kommt Botox aus dem medizinischen Bereich. Dort wurde und wird es z.B. verwendet, um Schlaganfallpatienten wirkungsvoll zu helfen. Da auch der Kaumuskel gut auf Botox anspricht genügt eine Injektion in drei bestimmte Punkte auf jeder Wangenseite, um Entspannung zu schaffen. Die Folge: Das Zähneknirschen lässt deutlich nach bzw. hört ganz auf. Und noch eine gute Nachricht: Die meisten Bruxismus-Patienten empfinden bei der Botox-Behandlung kaum Schmerzen. Lediglich die Injektion wird bisweilen als leichter Druck, in seltenen Fällen verbunden mit einem Brennen, empfunden. Wichtig ist: Es wird gerade soviel Botox injiziert, dass das Zähneknirschen aufhört – die normale Kaufunktion bleibt vollständig erhalten. Auch das Sprechen ist weiterhin ganz normal möglich.

Bruxismus: Jeder fünfte Deutsche leidet darunter

Knapp jeder fünfte Deutsche leidet unter Zähneknirschen während des Schlafs (Schlafbruxismus) oder tagsüber (sog. Wachbruxismus). Das Knirschen der Zähne geschieht unwillkürlich und belastet nicht nur Zahnwurzeln und die Zahnsubstanz erheblich, sondern auch Kieferknochen, Kiefergelenke und Kaumuskulatur. Als Folge des Bruxismus kann sich, sofern das Zähneknirschen dauerhaft erfolgt, sogar die Gebisslage verändern. Bei älteren Menschen tritt Bruxismus eher weniger auf. Vor allem Kinder leiden unter Schlafbruxismus. Die Ursachen des Bruxismus sind vielfältig. Nach neuesten Erkenntnissen handelt es sich beim Schlafbruximus um vom Hirnstamm ausgelöste sogenannte rhythmische Kaumuskelaltivität. Diese tritt vermehrt zwischen verschiedenen Schlafstadien auf. Ursache für Wachbruxismus können sowohl Angst und Stress, aber auch ein ungesunder Lebenswandel -Konsum von Alkohol, Rauchen, zu viel Koffein- sein.

Viele Studien zur Botox-Therapie gegen Bruxismus

Die Gabe von Botox gegen Bruxismus ist wissenschaftlich fundiert. Seit belgische Neurologen 1990 im „Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatrie“ erstmals über eine erfolgreiche Botox-Behandlung gegen Zähneknirschen berichteten wurden über 200 Studien und kontrollierte Einzelfall-Schilderungen dokumentiert. 2012 erfolgte schließlich eine sogenannte Meta-Analyse der Botox-Therapie gegen Bruxismus, und zwar durch ein chinesisches Forscherteam. Dabei wurden die Erfahrungen aus vielen tausend Botox-Behandlungen bei Zähneknirschern zusammengefasst und analysiert sowie im „International Dental Journal“ vorgestellt. Das Ergebnis: Anhand vier größerer Studien mit wissenschaftlicher Beweiskraft (kontrollierte Vorher-Nachher-Studien) ist belegt, dass die Frequenz des Zähneknirschens durch die Gabe von Botox deutlich gemindert werden konnte. Bewiesen ist ferner, dass die Schmerzen durch Bruxismus nach einer Botox-Injektion erheblich reduziert wurden bzw. in vielen Fällen ganz verschwanden. Und festgestellt wurde, last but not least, dass die Botox-Therapie gegen Bruxismus auch frei von Nebenwirkungen ist.

Was kostet die Botox-Therapie gegen Bruxismus?

Die Frage nach den Kosten einer Botox-Behandlung gegen Zähneknirschen lässt sich leider pauschal nicht ganz auf den Cent genau beantworten. Es ist mit Kosten in Höhe von ca. 450 € zu rechnen. Prinzipiell ist zu sagen, dass der für das Zähneknirschen verantwortliche Kaumuskel eine hohe Gewebedichte aufweist. So wird es notwendig sein, im Kampf gegen den Bruxismus eher mit einer erhöhten Dosis Botox zu arbeiten. Doch bereits hinter diesen Satz muss in vielen Fällen auch ein Fragezeichen gesetzt werden – manche Patienten haben womöglich einen gar nicht so kräftig entwickelteten Kaumuskel und benötigen daher weniger Botolinumtoxin. Fakt ist: Die Kosten einer Bruxismus-Therapie mit Botox werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Botox-Therapie gegen Bruxismus: Nebenwirkungen?

Ganz allgemein gesprochen ergaben die oben aufgeführten Studien, dass die Bruxismustherapie mit Botox ungefährlich ist. Botolinumtoxin wird nach einigen Monaten vom Körper vollständig abgebaut. Das ist auch der Grund, warum die Behandlung nach einiger Zeit wiederholt werden muss, sofern der Bruxismus fort besteht. Abgesehen von möglichem Unbehagen der Injektion wurde in wenigen Fällen als weitere Nebenwirkung von einer vorübergehenden Verminderung des Speichelflusses berichtet. Übrigens: In Asien wird Botox bereits seit vielen Jahren zur Gesichtsformung verwendet. Dort gilt ein kantiges Gesicht mit einem stark entwickelten Kaumuskel als unschön.