Parodontitis

Man kennt den Begriff aus der Werbung, er steht auf nahezu jeder Zahnpasta-Tube – und doch weiß eigentlich kaum jemand genau, was unter einer Parodontitis, umgangssprachlich auch Parodontose genannt, exakt verstanden wird. Es handelt sich nämlich nicht allein, wie ursprünglich oft angenommen, um „Zahnfleischrückgang“ oder, damit verbunden, „ausfallende Zähne“. Das griechische Kunstwort Parodontitis beschreibt hingegen eine infektiöse, übel riechende Entzündung, die alle Bereiche des Zahnhalteapparats umfassen kann – also sowohl das Zahnfleisch als auch das den Zahn im Knochen haltende Wurzelzement mit umgebender Wurzelhaut (Desmodont) und den Alveolarknochen. Parodontalerkrankungen sind längst ein Volksleiden, man schätzt, dass ca. 45 % aller deutschen Erwachsenen zumindest eine leichte Entzündung des Zahnbetts aufweisen. Die Tücke der Parodontitis: Eine Zahnbettentzündung verursacht meist so gut wie keinerlei Schmerzen – und ist in vielen Fällen noch nicht einmal sichtbar. Oftmals bringt der Laie nicht einmal den übel riechenden Mundgeruch mit der Parodontitis in Verbindung.

Parodontitis: bakterielle Erkrankung

Eine Parodontitis ist eine sogenannte biofilminduzierte entzündliche Erkrankung. Das heißt: Sogenannte Markerkeime greifen im Verbund mit Pilzen und den im Mundraum vorkommenden MMP-8-Enzymen das Zahnfleisch an. Resultat ist der aus der Werbung bekannt Zahnausfall, da die Entzündung peu a peu den Zahnhalteapparat schwächt. Natürlich spielt mangelnde Mundhygiene, besonders die Nichtverwendung von Zahnseide als Ursache für den Bakterienbefall eine Rolle. Hinzu kommt noch die persönliche Disposition des Betroffenen sowie genetische Faktoren – die gleiche Bakterienmenge löst je nach Entzündungsneigung bzw. Immunsystem des Patienten ganz unterschiedliche Schweregrade einer Parodontitis aus. Weitere eine Parodontitis auslösende Faktoren sind beispielsweise Stress, starkes Rauchen, die Einnahme verschiedener Medikamente oder auch Hormonveränderungen im Zuge einer Schwangerschaft. Noch sind nicht alle Ursachen der Parodontitis gänzlich bekannt – eindeutig belegt ist jedoch, dass Zahnstein, der sich am Zahnfleischsaum und unterhalb des Zahnfleisches in Form von Konkrementen ansiedelt, Entzündungen und Zahnfleischschwund erheblich fördert. Aus diesem Grund macht eine halbjährliche professionelle Zahnreinigung Sinn – denn Sie beugen damit der gefährlichen Parodontitis vor. Ebenso prophylaktische Wirkung gegen Parodontose bietet Zahnseide, mit der die Bakterien im Zahnzwischenraum sowie unter dem Zahnfleisch entfernt werden.

Parodontitis: Symptome

Hinweise auf eine Parodontitis:

  • Zahnfleischentzündungen (sogenannte Gingivitis) mit fortschreitendem Knochenverlust
  • Zahnfleischblutung(beim putzen und/oder essen) und Abszesse
  • Mundgeruch
  • Zahnlockerungen und -wanderungen
  • Zahnverlust durch starke Lockerung

Parodontitis: Diagnose

Da die Erkrankung oft nicht sichtbar ist und zumeist nur zufällig im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt wird, reicht ein reiner Sichtbefund nicht aus. Um eine Parodontose zweifelsfrei feststellen zu können wird das Team der Praxis Bärenklau die Tiefe der entstandenen Zahnfleischtaschen mit einer Sonde messen. Eventuell wird es notwendig sein, Bakterienproben aus den Taschen zu entnehmen – dies vor allem bei einer aggressiven Parodontitis. Diese Proben werden dann im Labor analysiert. Eine Röntgenaufnahme des gesamten Gebisses hilft zudem, den Sitz der Zähne in den Kieferknochen zu überprüfen und die Konkremente unterhalb des Zahnfleisches zu erkennen. Ist die Parodontose zweifelsfrei festgestellt, heißt es, weiteren Zahnfleischschwund, Kieferknochenverlust und womöglich Zahnausfall so rasch wie möglich einzubremsen. Zum einen wird Sie das Team der Praxis Bärenklau zu einer professionellen Mundhygiene motivieren, zum anderen müssen natürlich die gefährlichen Bakterien am Zahnfleischsaum beseitigt und die Entzündungsvorgänge gestoppt werden. Ist eine Parodontitis vollständig ausgeheilt, kommt eventuell ein Zahnfleischlifting in Frage – damit können freiliegende Zahnhälse abgedeckt und der Zahnhalteapparat gefestigt werden. Ein künstlicher Knochenaufbau durch den Kieferchirurgen wird bei erheblichem Knochenrückgang, meist nach Zahnverlust, in Erwägung gezogen.

Parodontitis: eine Ursache für Krebs?

Die Folgen einer Parodontitis bleiben beileibe nicht auf den Zahnhalteapparat beschränkt. Vielmehr setzt die Entzündung dem gesamten Organismus zu. Studien zeigen beispielsweise, dass Parodontits-Patienten doppelt so häufig einen Herzinfarkt erleiden wie vergleichbare gesunde Testpersonen. Eine Parodontitis kann Frühgeburten auslösen, niedrigeres Geburtsgewicht bei Babys verursachen und Auswirkungen auf Diabetes, Atemwegserkrankungen und cerebrale Infektionen haben. Aufsehen erregte ein Bericht in der Ärzte-Zeitung im März 2009. Professor Lothar Kanz aus Tübingen berichtete dabei über Ergebnisse einer über 17 Jahre angelegten Kohortenstudie mit 50.000 männlichen Teilnehmern. Nachgewiesen werden konnte, dass für Parodontitis-Patienten das Risiko, an einem Pankreaskarzinom zu erkranken, um 54 Prozent erhöht war, also auf das Anderthalbfache. Das Risiko für Nierenzellkrebs, Lungenkrebs und hämatologische Krebserkrankungen war um 49, 36 und 30 Prozent gesteigert. Gemäß der Studienergebnisse vermutet man hierbei einen Zusammenhang zwischen dem vermehrten Auftreten der Parodontitis-Entzündungs-Botenstoffe C-reaktives Protein und Interleukin-6 und der bösartigen Zellmutation. Genaueres wird jedoch zurzeit noch erforscht.